Medienberichte AUTOZUG Sylt (Auswahl)

 

 

Sylt 1 TV vom 18.6.2015: Kampf um den Sylt-Shuttle

Interview mit RDC D-Geschäftsführer Hinrich Krey

 

Der RDC D-Geschäftsführer lässt keinen Zweifel, dass sein Unternehmen ab dem neuen Fahrplanjahr 2016 die Strecke befahren wird und präsentiert erstmals Baupläne des neuen Zugmaterials.

 

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Handelsblatt vom 22.05.2015: Kampf um den Hindenburgdamm

Trickreich verteidigt die Deutsche Bahn ihre Vorrechte auf der Strecke nach Sylt. Das erzürnt Konkurrenten.

 

-- Der US-Wettbewerber RDC darf die Strecke auch nutzen.

 

-- Ausgerechnet Bahn-Tochter ist Herrin des Verfahrens.

 

Hannover am Donnerstagvormittag, die Räume der Deutschen Bahn Netz AG, auf der Tagungsordnung steht ein "Trassenkonfliktgespräch". Eigentlich sollten sich die Kontrahenten um die Fahrtzeiten auf Deutschlands wohl berühmtester Kurzstrecke heute einigen. Auf der einen Seite die Deutsche Bahn AG, auf der anderen das amerikanische Eisenbahnunternehmen Railroad Development Cooperation (RDC).

 

Es geht um die Rechte, Autozüge vom Festland nach Sylt fahren zu lassen. Über den elf Kilometer langen Hindenburgdamm, rein ins Urlaubsparadies der Deutschen.  Auf die Nordfriesen- und Sehnsuchtsinsel Sylt. Es ist ein Kampf ums Nadelöhr: Täglich können nur 40 Züge pro Richtung die teilweise eingleisige Strecke passieren.

 

Schon am Vormittag wird klar: Das Konfliktgespräch macht seinem Namen alle Ehre. Es droht ein Sturm über dem Hindenburgdamm.

 

Denn die Verbindung Niebüll-Westerland ist nicht irgendeine Strecke im 33 000 Kilometer langen Gleisnetz, das sich über die Republik spannt. Sie ist die Lebensader der Insulaner. Sie bedeutet Vorfreude für Tausende Touristen.  Gemächlich rattert der Zug über den Damm, vorbei an Wattenmeer, Wiesen und Wiederkäuern. Die Fahrt dauert nicht einmal 40 Minuten. Die Kunden bleiben im eigenen Auto sitzen. Fremdgesteuert, den Blick in die Ferne.

 

Und die Strecke ist eine Goldgrube für die Bahn. Jedes Jahr rollen rund 490 000 Autos auf die Züge von Niebüll nach Westerland - genauso viele verlassen die Insel mit dem Zug wieder. Für eine einfache Fahrt kassiert die Deutsche Bahn momentan 51 Euro. Das macht einen Umsatz von 40 bis 50 Millionen Euro im Jahr.

 

Doch selbst die schönste Strecke aus den 1920er-Jahren ist nicht vor der Bundesnetzagentur gefeit. Um Wettbewerb zu schaffen, schreibt die Bonner Behörde alle Bahnstrecken regelmäßig aus, so auch die Sylt-Trasse. Anfang des Jahres hat die Deutsche Bahn ihr Monopol in einer solchen Ausschreibung an RDC verloren. In der ersten Vergaberunde sicherte sich RDC elf "Rahmenverträge": Das Unternehmen darf nun zehn Jahre lang Autozüge täglich sechsmal auf die Insel fahren lassen - und fünfmal zurück.

 

In den Verträgen ist allerdings nicht geregelt, zu welchen Zeiten RDC die begehrte Strecke belegen darf. Genau hierüber wurde am Donnerstag in Hannover verhandelt. Es geht um den Fahrplan, der ab Dezember in Kraft treten soll. Die Zeit drängt.

 

Bis zum April hatten sowohl die Deutsche Bahn als auch RDC ihre Wunschzeiten angemeldet. Nach einem festgelegten Vergabeverfahren sollten nun mögliche Überschneidungen aus dem Weg geräumt werden. Pikant: Ausgerechnet die Bahn-Tochter DB Netz ist Herrin des Verfahrens. Um Fairness zu gewährleisten, ist sie bei der Vergabe an Kriterien gebunden, die im Allgemeinen Eisenbahngesetz, Paragraf 14, geregelt sind.

 

Trotzdem endete das Konfliktgespräch Handelsblatt-Informationen zufolge im Streit. Grund ist ein "Altona-Joker", den die Deutsche Bahn gezogen hat.  Demnach will der Konzern seinen Sylt-Shuttle nicht wie bislang nur von Westerland nach Niebüll fahren lassen. Sie will an den Autozug noch einen Triebwagen hängen, der weiter bis nach Hamburg-Altona rattert.

 

Dieses Manöver könnte dem ehemaligen Staatskonzern Vorteile bei der Vergabe der begehrtesten Abfahrtszeiten verschaffen. Denn eines der Vergabekriterien ist die Streckenlänge. Wer längere Strecken bestellt, zahlt mehr Geld - und hat am Ende Vorfahrt.

 

Die Deutsche Bahn wollte ihr Vorgehen auf Anfrage nicht offiziell kommentieren: "Solange die Vergabeverfahren noch laufen, werden wir uns hierzu nicht äußern", sagte ein Sprecher.

 

Das RDC-Management zeigt sich nach dem ersten Verhandlungstag erbost. "Die DB verfolgt offenbar die Taktik, RDC im Wettbewerb um die Vergabe Niebüll-Westerland dadurch auszustechen, dass sie längere Trassen bei ihrer Konzernschwester DB Netz AG bestellt als notwendig", sagte Carsten Carstensen, RDC-Geschäftsführer Deutschland, dem Handelsblatt. Das Unternehmen wolle das Vorgehen prüfen.

 

Die geplanten Verhandlungen am Freitag wurden verschoben, auf Anfang Juni. Zu viele Fragen waren noch offen, zu viele Konflikte ungelöst.

 

 

Von Bognanni, Massimo. © Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

 

 

Sylter Rundschau vom 12.05.2015: Interview mit Hans Leister, Europachef RDC, über die Qualität der neuen Autozüge für Sylt. 

 

Herr Leister, Sylt und viele Freunde der Insel sind entsetzt über den Autozug den RDC einsetzen will. Können Sie angesichts der öffentlichen Erregung darüber noch gut schlafen?

(Lacht überzeugend) Grundsätzlich ja, denn wir sind fest davon überzeugt, dass unser Handeln Kunden und Region nur Vorteile bringen wird. Was uns aufregt, ist, dass unsere Fahrt zum Test des Infrastrukturzugangs in den Medien als „Präsentation des neuen Autozugs“ bezeichnet wurde. 

 

Ja, Sie setzen einen Autozug ein, der an Viehtransporter erinnert. Oder waren die Züge, die Sie vorgestellt haben, gar nicht die, die kommen sollen?

So ist es. Diese Wagen haben wir nur angehängt, um mit ein bisschen Zuggewicht und Länge den Infrastrukturzugang zu testen. RDC lässt parallel ganz neue Autozüge bauen, die aber erst 2017 zur Verfügung stehen.

 

Wann denn 2017?

Voraussichtlich im Frühjahr, also vor dem Saisonbeginn. Bis dahin müssen wir übergangsweise andere Züge einsetzen.

 

Ich muss noch mal nachfragen: Die Wagen, die wir gesehen haben, sind dann schon die, die zunächst hier fahren - oder?

Nein, wir werden nicht mit Wagen fahren wie sie der Test-Zug hatte Wir werden mit modernen Wagen fahren, die vom Eisenbahnbundesamt für die Autozugnutzung zugelassen sind.

 

Warum haben Sie denn bei dem Testlauf, zu dem Sie die Medien eingeladen hatten, nicht gleich optisch ansprechendere Waggons fahren lassen?

Nochmal – es handelte sich nicht um eine Präsentationsveranstaltung, wir haben keine Luftballons verteilt und keinen Medienrummel veranstaltet. Es ging um eine technische Testfahrt zu den besonderen Anforderungen des Infrastrukturzugangs, bei der die Optik und die Eigenschaften der Wagen keine Rolle spielt. Die Wagen, die wir einsetzen, werden andere sein, so werden sie zum Beispiel mit Flüsterbremsen ausgestattet sein.

 

Das haben die jetzigen Autozüge auch. Darf man davon ausgehen, dass Ihre Übergangszüge letztlich auch optisch so ausfallen wie die aktuellen Waggons des Syltshuttles?

Ja, die Flachwagen im Autozug heute sind auch relativ nahe an Güterzug-Standardwagen. Unsere werden denen sehr ähnlich sein.

 

Auch was die Ausstattung der Böden angeht? Der heutige Autozug hat ja Gitterroste, die von Ihnen vorgestellten Wagen dagegen Holzplanken, die ja auch zu dem ungünstigen optischen Auftritt beitragen.

Ob wir Wagen mit Gitterrosten bekommen, muss man sehen, aber das ist nicht das Entscheidende. Die Güterwagen in unserem Test-Zug hatten übrigens keine Holzbestandteile, sondern waren mit einem Blechboden ausgestattet.

 

Viel hängt aber an der Frage, wie viele Autos Sie mit den Übergangszügen transportieren können. Bis zum Einsatz der total neuen Flotte planen Sie nur den Einsatz von Flachwagen ohne ein Obergeschoss. Damit wird eine Kapazitätslücke von 35 Prozent entstehen. Das treibt die Insulaner und unsere Gäste ebenfalls um.

Wir wollen den Syltern und den Urlaubern mehr Verbindungen und mehr Kapazität bieten.

 

Wie das?

Wir werden öfter fahren. Auch mit Flachwagen kommt man gut auf die Insel und zurück. Die DB nutzt ja auch Flachwagen in ihren Zügen, neben den Doppelstockeinheiten. Wir mieten aber auch gerne die DB-Doppelstockwagen, soweit sie nicht mehr benötigt werden. Das wäre im ersten Jahr im Interesse der Kunden.

 

In wieweit ist denn schon geklärt, ob Sie auch bei der Abfertigung die Anlage und wohlmöglich auch das Personal der Bahn nutzen können und dürfen?

Auch deshalb hat ja die Testfahrt stattgefunden, um sicher zu gehen, dass dort alles klappt mit dem Zusammenspiel zwischen einem neuen Betreiber und zwei verschiedenen Infrastrukturunternehmen, die Zugang zu gewähren haben. Und es hat alles sehr gut geklappt, dank der Zusammenarbeit mit den Kollegen der DB.

 

Können Sie denn heute den Syltern und ihren Gästen garantieren, dass es nicht in einem Maße zu Störungen und Verzögerungen bei der Überfahrt kommt, das weit über das bekannte hinaus geht?

Ja, das kann ich garantieren. Wir brauchen dazu die Zusammenarbeit im System Eisenbahn, daher auch die Testfahrt. Denn: Eisenbahn ist immer Teamarbeit, und nach dem Wettbewerb ist vor der Kooperation.

 

Auf der Insel herrscht der Eindruck, dass dieser Wettbewerb auf dem Rücken der Sylter ausgetragen wird. Ist hier nicht etwas zum Spielball geworden, was gar nicht hätte zum Spielball werden dürfen?

Das Gegenteil ist der Fall. Die Sylter werden davon profitieren, weil das Geld hoffentlich da eingesetzt wird, wo es hingehört, nämlich in die Infrastruktur dieser besonders profitablen Strecke

 

Aber darauf haben Sie ja gar keinen Einfluss, denn Ihre Trassengebühren bekommt doch DB Netz.

Wir bezahlen mehr für die Trasse, damit hat DB-Netz auch mehr Spielraum. Das ist der eine Hebel. Der andere ist, dass wir im Falle einer Elektrifizierung der Strecke bereit sind, vorabunsere Einsparung an Energiekosten als Investition einzusetzen. Und: Ich glaube schon, dass die Aufmerksamkeit, die wir jetzt mit dem Autozug-Wettbewerb der Insel und der Verbindung zur Insel verschafft haben, nachhaltige Wirkung zeigen wird. Wettbewerb hat ja auch anderswo Investitionen in Strecken bewirkt. Das wird auch hier funktionieren.

 

Gibt es irgendetwas Tröstliches, das Sie den Syltern sagen können, außer der Botschaft, dass 2017 ganz neue Autozüge eingesetzt werden?

Ja, sehr viel sogar. Wir werden häufiger fahren und stabile Preise bieten. Wir erhalten den Insulaner-Tarif und heben mit den neuen Zügen die Pkw-Lastgrenze auf 3,5 Tonnen an, das ist für die Gewerbetreibenden sehr wichtig. Und: wir werden eine Reservierungsmöglichkeit schaffen. Ich denke, die ist überfällig und wird jetzt auch in Bewegung kommen.

 

Da dürfen wir ja weiter sehr gespannt sein. Herr Leister, vielen Dank  für das Gespräch.