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Auf dieser Seite stellen wir Ihnen Pressemitteilungen aus den Jahren vor 2015 zur Verfügung.

Autozug Sylt: Neuer Betreiber bewirbt sich um langfristige Trassenkapazitäten bei DB Netz

 

Neuer Fahrplan mit deutlich mehr Fahrten geplant / Enge Zusammenarbeit mit Gemeinden, Tourismus-Akteuren und Land

 

(Köln, den 08.10.2014) Rund 960.000 Autofahrer nutzen derzeit jährlich den Autozug zwischen Westerland auf Sylt und dem Festlandbahnhof Niebüll. Nun tritt die Railroad Development Corporation Deutschland (RDC D) als neuer Betreiber an, um als Dienstleister für Tourismus und regionale Wirtschaft den Autozug-Verkehr auf der Strecke Niebüll-Westerland (Sylt) zu übernehmen. Die Tochter der US-amerikanischen Railroad Development Corporation (RDC) hat im Verfahren zur Vergabe von langfristigen Rahmenverträgen entsprechende Anmeldungen eingereicht. Und zwar für einen durchgehenden Taktverkehr mit sehr hohen Trassenentgelten (sogenannte Takt- und Express-Personenverkehrstrassen), die nach den geltenden Regeln gegenüber anderen Anmeldungen vorrangig zu behandeln sind.

 

Da die Trassenpreise für die Expresstrassen besonders hoch sind, und RDC D eine deutliche Ausweitung des Verkehrs plant, werden bei Vergabe an RDC D die Trasseneinnahmen der DB Netz AG für die Strecke erheblich steigen. DB Netz erhält so die notwendigen Mittel, um die Infrastruktur auf der Engpassstrecke Niebüll-Westerland mittel- und langfristig zu ertüchtigen und auszubauen. Streckenstörungen und Kapazitätsengpässen werden dann weitgehend beseitigt werden können.

 

 

„RDC ist besorgt über den Niedergang des Nachtzug- und Autozugverkehrs der Staatsbahnen in Europa“, sagt Henry Posner, Chairman von RDC zu den Beweggründen für das nach dem Hamburg-Köln-Express (HKX) wichtigste nächste Engagement von RDC in Deutschland. „Wir sehen darin aber auch Möglichkeiten für die eigene Geschäftsentwicklung.“

 

„Besonderes Entwicklungspotential hat zum Beispiel der Autoverkehr zur Insel Sylt“, so Hans Leister, General Director Passenger Services, Europe, bei RDC weiter. „Er kann in enger Zusammenarbeit mit den Akteuren auf der Insel und an der Küste besser organisiert werden. Auch der lange geforderte Ausbau der Infrastruktur der Bundesschienenwege wird dafür notwendig und durch die hohen Trassenentgelte, die wir zu zahlen bereit sind, möglich sein.“

 

„Zumal der von RDC D beantragte Fahrplan deutlich mehr Fahrten für den Autozug vorsieht als heute. Bis zu fast 50 Prozent mehr Abfahrten sind beantragt“, führt Carsten Carstensen, Geschäftsführer von RDC D und Projektleiter „Autozug Sylt“ aus. „Dabei geht es nicht darum, den Anteil der Pkw-Nutzung für die Anreise von Touristen in der Hauptsaison oder gar den Tagestourismus per Auto auf die Insel weiter zu steigern. Ziel ist es vielmehr, den Touristen mehr Service und der Wirtschaft, den Einwohnern und den auf der Insel Beschäftigten einen besseren Autozug zu bieten. Auch haben wir bei der Trassenplanung darauf geachtet, den Schienenpersonennahverkehr nicht zu verdrängen. Wir wollen häufigereFahrmöglichkeiten bieten und ein attraktiver und zuverlässiger Partner der Sylter Bürger und Arbeitskräfte sowie der Wirtschaft auf der Insel sein.“ RDC D geht davon aus, den Autozugverkehr nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 zu übernehmen. Dazu wird ein regionaler Verkehrsbetrieb (Arbeitstitel „Autozug Sylt“) mit allen notwendigen Einrichtungen aufgebaut. Auch die notwendigen Fahrzeuge werden beschafft. „Wir streben dabei eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten an“, so Carstensen weiter: „Mit der DB Netz als Betreiberin der Bundesschienenwege, den übrigen DB-Infrastrukturbereichen, die zum Beispiel für Rampen und Zufahrten zuständig sind, aber auch mit den Service- und Verkehrsunternehmen der DB.“

 

Ein besonderer Schwerpunkt soll auf der regionalen Verankerung liegen: Für das Management des neuen Betreibers wird daher vor allem auch die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sylt, der Stadt Niebüll, dem Amt Südtondern, dem Landkreis Nordfriesland, allen am Tourismus und dem sozialen Leben auf der Insel Beteiligten, den regionalen Verkehrsunternehmen sowie dem Land Schleswig-Holstein im Mittelpunkt stehen. Nicht zuletzt deswegen wird das Management ortsnah an der Strecke seinen Sitz nehmen. RDC D wird den Beteiligten und Entscheidern vor Ort dazu kurzfristig ein Konzept vorstellen.

 

Der Zeitplan für den Aufbau von „Autozug Sylt“ sieht zunächst die Sicherstellung der Fahrplantrassen im Verfahren für die Vergabe der Rahmenverträge mit DB Netz für die betreffenden Zugfahrten vor. Dabei müssen die Rahmenvertragsanträge der RDC D mit den anderen Nutzern der Strecke abgestimmt werden. „Im Falle von Konflikten muss entweder eine einvernehmliche Lösung gefunden oder nach den Vorrangkriterien entschieden werden“, sagt Carstensen. „Nach Abschluss des Prüfverfahrens erfolgt die Unterzeichnung der Rahmenverträge im März 2015.“ Alle Entscheidungen zur Vergabe der Rahmenvertragskapazitäten werden von der Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde überwacht.

 

Ziel von RDC D ist es, für den Betriebsstart die Mitarbeiter der DB Fernverkehr, die heute beim Autozugverkehr auf die Insel beschäftigt sind, zu vergleichbaren Konditionen zu übernehmen. Aufgrund der vorgesehenen Mehrleistungen wird sogar ein Ausbau des Personalbestands notwendig sein. „Wenn der Autozugverkehr bedarfsgerecht ausgebaut wird, werden unterm Strich viele neue Arbeitsplätze entstehen“, sagt Carstensen. „Auch den heute dort tätigen Eisenbahnern mit Beamtenstatus soll – falls gewünscht – die Weiterbeschäftigung ermöglicht werden. Dazu werden wir mit dem Bundeseisenbahnvermögen als Dienstherrn Kontakt aufnehmen.“

 

Aufgrund der hohen Investitionen in die Betriebsmittel des Autozugverkehrs Niebüll-Westerland hat die Bundesnetzagentur inzwischen einer verlängerten Rahmenvertragslaufzeit von 10 Jahren zugestimmt. Im Falle einer Entscheidung von DB Netz zugunsten der Anträge wird RDC D den Autozug-Verkehr daher für zunächst 10 Jahre übernehmen.

 

„Diese Laufzeit bietet eine reale Chance, zusammen mit DB Netz, den anderen Verkehrsunternehmen und allen Beteiligten auf politischer Ebene – dem Land, dem Landkreis und den Kommunen – die Infrastruktur der Strecke und der Verladeeinrichtungen heutigen beziehungsweise künftigen Verkehrs- und Umweltanforderungen anzupassen und auszubauen“, sagt Leister. „Durch die Mehrleistungen und die höheren Trassenpreise hat DB Netz innerhalb der nächsten 10 Jahre zusätzliche Einnahmen in beachtlicher Höhe, die für Investitionen zur Verfügung stehen. Geld, das bisher aus diesem Verkehr und von dieser Strecke abgezogen wurde, kann nun hier verbleiben und investiert werden!“

 

 

Zulassung für RDC-Reisezugwagen (modernisierte Fahrzeuge der ex-ÖBB-Baureihe RH 4010) für Deutschland liegt vor

 

(Köln, den 22.09.2014) Nach Vorlage aller dafür notwendigen Unterlagen hat das Eisenbahn Bundesamt (EBA) nun die Zulassung („Inbetriebnahmegenehmigung“) für vier Typen von modernisierten Reisezugwagen der ehemaligen Baureihe ÖBB RH 4010 für den Betrieb in Deutschland erteilt. Von den jetzt zugelassenen vier Fahrzeugtypen (zwei unterschiedliche Endwagen sowie je ein Großraum- und Abteilwagen) sind derzeit insgesamt sechs Fahrzeuge von Euromaint Rail Deutschland GmbH im Werk Delitzsch für den Einsatz in Deutschland umgebaut und weitgehend fertiggestellt worden.

 

„Es ist ein gutes Signal für das System Eisenbahn, dass auch die komplette Überarbeitung älterer Fahrzeuge zu zugelassenen Fahrzeugen führen kann“, sagt Hans Leister, General Director Passenger Services – Europe bei RDC.

 

Für die Zulassung angewendet wurde das Verfahren nach MoU (Memorandum of Understanding für die Neugestaltung von Zulassungsverfahren für Eisenbahnfahrzeuge zwischen dem Bundesverkehrsministerium, dem EBA, der DB AG, dem VDB und dem VDV), das im Juni 2013 verabschiedet und zum 01.07.2013 eingeführt wurde. Es erlaubt, dass nicht alle Bauteile direkt vom EBA selbst geprüft, sondern dass andere dafür zugelassene Stellen damit beauftragt werden. Die Gesamtzulassung erfolgt dann durch das EBA, wenn alle Prüfungen abgeschlossen sind und nachgewiesen ist, dass das Fahrzeug sicher ist. Das neue Verfahren ist eine Angleichung an den europäischen Zulassungsprozess.

 

„Die Zusammenarbeit mit dem EBA war sehr gut und stets konstruktiv“, sagt Carsten Carstensen, Geschäftsführer der RDC Deutschland GmbH und der Hamburg-Köln-Express GmbH. „Grundsätzlich können die Fahrzeuge nun eingesetzt werden. Allerdings müssen noch letzte Restarbeiten vorgenommen werden. Wenn die erste Zugeinheit fertig ist, können wir sie überführen. Dann beginnt die Schulung der Mitarbeiter an und in den neuen Reisezugwagen. Wir planen, zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 mit dem Probebetrieb auf unserer HKX-Strecke zwischen Hamburg und Köln zu beginnen, um Erfahrungen für den Regeleinsatz zu gewinnen.“

 

Aus den bereits umgebauten Fahrzeugen können nun zwei Drei-Wagen-Einheiten gebildet werden. Bei Bedarf können aus dem vorhandenen Park von Spenderwagen weitere Wagen umgebaut werden; maximal ist die Bildung von Zehn-Wagen-Zügen möglich.

 

Die Reisezugwagen der ehemaligen Baureihe ÖBB RH 4010 wurden nach modernen Standards komplett überarbeitet: DieHöchstgeschwindigkeit wurde auf 160 km/h angepasst. Dafür musste das Bremssystem grundlegend überarbeitet werden. Auch der Brandschutz der Wagen erfüllt nun die aktuellen Anforderungen. Zudem wurden die Wagen mit elektronischen Reservierungsanzeigen und geschlossenen WC-Systemen ausgestattet sowie mit WLAN und Steckdosen am Platz.